Schneidemühl, den 16. September 1917
Mein einziges süsses goldiges Lieb !
Es ist Sonntag Abend 8 Uhr 10 Minuten und endlich komme ich dazu mit dir mein allabendliches Plan der Abende den abgehalten.
Ich erzähle dir manchmal in kurzen trockenen Sätzen, was ich so weiß, was dich interessieren könnte und dies machs dich doch manchmal langweilen, es liegt wenig Abwechslung in meinen Briefen, der anfang und das Ende sind fast immer gleich, des anderes könnte es doch einmal sein, so den denke ich manchmal selbst und insbesondere fiel mir dies heute ein, so ich nur den halben Tag gearbeitet habe und daher ziemlich ausgeholt bin.
Dieses Ausruhen versteht sich aber nur von geistiger Tätigkeit, denn wie du mit den heutigen Schreiben erfahren wirst, habe ich den ganzen Mittag zu tun gehabt; den ich kann noch nicht dazu meine Bilder zu tonen, kann sie dir aber noch nicht schicken, wird aber schon werden. Heute Abend habe 6 Anfachen zu entwickeln, aber auch noch Arbeitsgang, ferner hätte ich noch geschäftliche Sachen zu erledigen.
Ich habe heute Nachmittag Frau Hoffen mit den Kindern fotografiert, ferner den Unteroffizier Schultz und den Feldmarschall Reitz. Wenn die Bilder gut werden, so schicke ich dir auch davon je 1 Monaten.
Schulz & Reitz tranken den Kaffee bei mir. Später als das Fotografieren zu Ende war, kam dein Hilfspaket an, was mich tatsächlich erstaunlich. Es ging ja riesig schnell diesmal, denn ich hatte damit noch nicht gerechnet. Ich bin dir auch recht, recht dankbar, du hast entschieden alles guten, was du nur tun konntest und sehe ich auch, dass den mich immer gleich dich hast, wie immer seit mir zusammengehören.
So merke ich auf dass meine Schulden bei dir in erschrecken Weise anschnallen, dem am nächsten Sonntag sind es nun 2 Jahre her, dass ich dich herzlich und Robiberle (Sohn Robert), des damals in Oktober ging verlassen umfiele . Ich werde an diesem tag stets denken.
Im Paket war alles mein Herz, das Fleisch, sehr gut, der Kuchen tipp-top, könnte nicht besser sein. Von den Eiern ging 2 Kaput, da sie aber eingewickelt waren, so könnte ich das Vergelt retten. Ich habe solche heute Abend gegessen und auch schon ein grosses Stick Kuchen. Wie lange werde ich noch Pakete haben missen und wie soll ich dir meine Schuld abtragen ? Stelle mir ruhig deine Forderung auf, damit ich solche früher kann und mache deine Ansprüche geltend.
Das Rest des Nachmittags verbrachte ich mich rate ? Anbringen von Sohlenschauer an meinen alten Schuhen. Jetzt stammt du wohl was ! ? Ich will probieren, ab ich daran verteil zielen kann und ab die Sohlen noch länger halten. Hätte ich meinen Sonntag besser verwenden können ? Zwischen 6 und 7 Uhr kann Provat und Zubke zu mir, wie plauderten noch eine Weile, dann habe ich Abendbrot gegessen. Wenn ich jetzt mit schreiben fertig bin, so ziele ich meine Schulde aus und gehe zur Bahn und den Brief dort hin zubringen, damit er bestimmt in der Macht zu dir befördert wird.
Einliegend sende ich dir den Ausschnitt betreffend die Kartoffelausgabe. Es ist denjenige aus der Zeitung von 13ten der Monat, welche heute eintraf.
Ich erhielt sonst keine l. Nachrichten von dir heute, bin aber doch mit dir zufrieden. Da ich am Wäsche habe, so kann ich sofort von hier fort; wenn der Urlaub kommt oder die Versetzung nach Grienen.
Ich bin man eingerichtet. Heute war den ganzen Tag trübes Wetter, jedoch ohne Regen. Damit es nicht immer das Gleiche ist, so gebe ich dir heute gar keine Küsse, drücke dich Augele und auch Robiberle.
Grüß am Alle. Dein stets erbe. Alfred
Schneidemühl, le 16 septembre 1917


